Bernd Härpfer - Komposition und Audiovisuelle Kunst
English

Mime

Video (PAL), Zwei Selbstspielklaviere
2004
11:10 Min.

Mime ist ein Stummfilm mit und über Klaviermusik. Ein Pianist agiert sichtbar an einem Flügel. Die Tonaufnahme seines Spiels dient als Ausgangspunkt für die Komposition der Klavierbegleitung, die computergesteuert - also ohne Spieler - auf zwei Selbstspielklavieren ausgeführt wird. Das aus dem Kino der Stummfilmzeit bekannte Verhältnis zwischen Film und akustischem Geschehen in Form von live gespielter Musik wird gleichermaßen evoziert als auch transformiert.

Das Thema von Mime ist ein zyklischer Prozess, der die Linearität von Ursache und Wirkung aufhebt und zu einer Schwebung zwischen Bild und Ton führt. Durch eine doppelte Transformation wird aus dem Klang des im Film bespielten Flügels wieder instrumentale Musik, die allerdings mechanisch bzw. computergesteuert ausgeführt wird. Der digitalisierte Originalklang wird als Ausgangsmaterial für einen algorithmischen Kompositionsprozess verwendet, der zu einer musikalischen Synthese aus Aspekten des Originalklangs und einer regelbasierten rhythmisch-harmonischen Struktur führt. Durch das Erklingen dieser komplexen, für Menschen kaum spielbaren Komposition auf zwei Selbstspielklavieren entsteht wieder eine klangliche Nähe zum Original.

Der Interpret, der sich nicht als Ausführender im Raum befindet, spielt in der Distanz der filmischen Projektion eine ambivalente Rolle. Er wird quasi zum Mimen des Gehörten, obwohl er der Ausgangspunkt des Prozesses ist.

(Uraufführung: Köln, 19. November 2004)

Weitere Fassungen:
- DVD, 2005, 6:52 Min.
- Fassung für Video und ein Selbstspielklavier, 2007, 11 Min.