Bernd Härpfer - Komposition und Audiovisuelle Kunst
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One For The Road

One For The Road I
Klavier, Kontrabass/E-Bass, Schlagzeug
1999
ca. 5 Min.
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One For The Road II
Präpariertes Selbstspielklavier
2000
4:40 Min.



One For The Road I entstand 1999 in einer ersten Fassung für Klavier, Kontrabass/E-Bass und Schlagzeug. Die Besetzung entspricht der rhythm section einer Jazzband und auch die Musik macht anfänglich einen jazzigen Eindruck, der jedoch bald durch eine andere Entwicklung kontrapunktiert wird. Das Tempo der Musik scheint ständig abzunehmen, obwohl die Klang- bzw. Ereignisdichte mehr oder weniger konstant bleibt. Dies wird durch eine Übertragung des „Shepard-Effektes“ - der akustischen Illusion eines ewigen Tonhöhen-Glissando – auf die Zeitstruktur der Musik erreicht. Durch die Verfeinerung des Prinzips und die Kombination mit einer polymetrischen Disposition der Stimmen entwickelt sich ein improvisiert anmutender Klangfluss, der sich ewig zu verlangsamen scheint. Dieser rhythmisch-temporale Prozess vollzieht sich über die gesamte Dauer des Stückes.

Die Tonhöhenstruktur ist als zeitliche und spektrale Projektion auf die rhythmische Ebene bezogen. Sie antizipert den rhythmischen Ablauf, indem die metrische Teilung bis in die Tonhöhenebene hinein fortgesetzt wird. Aufgrund der ständigen Verlangsamung des Tempos werden also aus Tonhöhen später Rhythmen und danach größere formale Einheiten. Ein interessanter Effekt sind die kadenzartigen harmonischen Folgen, die im Laufe des Stücks funktional immer deutlicher werden.

Ein Jahr später entstand die transkribierte Fassung One For The Road II für präpariertes Selbstspielklavier. Durch die Präparationen (das Anbringen veschiedener Gegenstände auf und zwischen den Saiten) wird eine klangliche Annäherung des Solo-Klaviers an die Trio-Besetzung der ersten Fassung ermöglicht.

(Uraufführung: Köln, 30. April 1999)